Alles steht Kopf 2 Review

Nach etwa 9 Jahren erscheint am 13. Juni „Alles steht Kopf 2“ in die Kinos. Eine Fortsetzung, welche an die beginnende Teenagerzeit von Riley anknüpft und anhand des Trailers viel Potenzial für Unterhaltung verspricht. Schließlich ist die Teenagerzeit nicht umsonst die Zeit, in der Veränderungen am größten und am dramatischsten erscheinen. Ob Pixar mit dieser Fortsetzung auch einen würdigen Nachfolger herausbringt, erfahrt Ihr in meiner Review.

Trailer

Plot

Riley ist eine hochbegabte Schülerin und spielt hervorragend Eishockey. Das alles ist den Emotionen Freude, Kummer, Wut, Angst und Ekel zu verdanken, die bis dato Rileys Kopf gemanagt haben. Doch als Riley 13 Jahre wurde, schlug die Sirene für „Pubertät“ in der Hauptzentrale Alarm. In Rileys Kopf wird eine neue Steuerungskonsole installiert und die bisherige Mannschaft wird um Zweifel, Neid, Ennui und Peinlich erweitert. Zweifel ist ein großer Fan von Freude doch die Welt um Riley erscheint komplexer zu sein, sodass Zweifel glaubt, dass die bisherige Belegschaft um Freunde herum nicht mehr geeignet ist Riley zu steuern und für Zweifel ein Risko darstellt. Zweifel entfernt Riley manifestierte Überzeugung und schleudert diese weit weg in die Hintergedanken von Riley. Dabei werden Freude, Kummer, Wut, Angst und Ekel aus der Zentrale ebenfalls rausgeschmissen. Nun wird Riley von Zweifel, Neid, Ennui und Peinlich hauptsächlich gesteuert. Freude muss gemeinsam mit ihren Freunden unbedingt die manifestierte Überzeugung wiederfinden, um Riley vor Schlimmen zu bewahren.

Würdige Fortsetzung mit dem Gütesiegel „Große Identifikation“

Wer kennt es nicht. Neue Gegebenheiten verleiten einen sich in neuen, unbekannten Gruppen zubeweisen. Sich so anzupassen nur, um einfach dazugehören. Oder man lügt, um zu gefallen und das aus falschen Gründen. Man durchläuft im eigenen Kopf zig Szenarien, um für das selbst gesteckte Ziel die bestmögliche Entscheidung zu treffen, obwohl das Ziele durch so viele andere Faktoren beeinflusst wird. Alles Themen die „Alles steht Kopf 2“ in einer wirklich unterhaltsamen Art und Weise anspricht und vor allem mit viel Witz die erweiterte Gedankenwelt von Riley wundervoll abbildet, sodass man sich sehr an eigene Ausschnitte der eigenen Teenagerzeit erinnert. Auch wenn die Konzepte aus dem ersten Teil bekannt sind, weiß Kelsey Mann und das Pixar-Team die Gedankenwelt von Riley sinnvoll und organisch zu erweitern, sodass gerade der Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen sehr sehr gut manifestiert und veranschaulicht wird.

Auch sind die neuen Charaktere in jeglicher Hinsicht perfekt ausgewählte Emtotionen, die die Teenagerzeit mit all ihren Beweggründen für alle Interaktionen Rileys beschreiben. Gerade die erste Hälfte hat mit seinem doch resanten Erzählstil verstanden, wie schnell sich die Welt von Riley dreht, wenn sie das Pubertätsalter erreicht. Die Gedanken spielen wild, Riley überreagiert auf harmlose Fragen und zerdenkt jedes doch so kleine Detail oder Information, die einem mitgeteilt wird. Die eigentliche Nachricht der Charakter, die sie versuchen zu übermittelt, wird völlig falsch vom Gegenüber verstanden. All diese und noch im Laufe des Filmes auftretenen Ereignisse zeigen, dass Pixar erneut wie bereits im ersten Teil, ihre Hausaufgaben großartig gemeistert haben, wenn es darum geht, wie der Mensch auf der emotionaler Ebene funktioniert. Bei all den Lob hat Pixar jedoch nicht mehr wie bei seinem Vorgänger zuvor den so großen Überraschungseffekt und ist nicht so emotional berührernd, wie ich es zumindest mir erhofft hatte. Das liegt es zum einem daran, dass das Konzept wie Emotionen im Kopf eines Kindes manifestiert sind und welche Bedeutung sie haben, für den Zuschauer so nicht mehr völlig unbekannt sind und daher als Zuschauer auch in eine Welt mit bekannten Konstrukten eintaucht. Zum anderen sind alle Ereignisse und Herausforderung die Riley durchlebt, Erfahrungen die der Zuschauer einst in ähnlicher Form selbst kennt. Durchaus kann gerade dieser Aspekt als Stärke sowie paradoxerweise auch als Schwäche des Filmes auslegen.

Während man noch im ersten Teil spannend von Minuten für Minute die Gedankenwelt kennen lernt, ist die Fortsetzung trotz neuer Konstrukte für Errinnerungen und Emotionen erzählerisch stringenter und vorhersehbaren. Pixar fokussieren sich auf den Umgang von Zweifel und Angstgefühl und löst diesen Zustand erzählerisch mit einem relativ einfach bekannten Trope, auch wenn diese inhaltlich absolut sinn ergibt. Ein Trope der vielleicht für Pixarverhältenisse etwas einfach ist und nicht mehr den gleichen emotionalen Punch verleit, wie es der Vorgänger tat. Nichtsdestotrotz wird es gerade aufgrund der Thematisierung den eine oder anderen mehr einen emotionalen Schlag geben, sodass auch dieser Film eine Message enthält, der einer Fortsetzung würdig ist.

Fazit

Es war zu erwarten, dass Pubertät die nächste große Thematik der Fortsetzung sein wird. Entsprechend ist das Potenzial für verrückte Ideen und herzhafte Unterhaltung groß gewesen. Die Fortsetzung schafft es wie erhofft gerade mit den neuen Charakteren zu unterhalten, da es sich schlicht um Emotionen handeln, mit denen sich die Zuschauer zu 1000% identifizieren können. Auch wenn der Film fast schon unfairerweise nicht die gleiche emotionale Wirkung erreicht, ist es eine konsequente und würdige Fortsetzung, die wirklich für die große Leinwand gemacht ist. Denn erneut schafft es Pixar, trotz der hoher Messlatte, die sein Vorgänger gesetzt hat die Zuschauer jeder Altergruppe zu unterhalten. Daher gibt eine klare Empfehlung für einen Kinogang, denn dieser Films wird gerade in einem vollen Kinosaal nochmal eine viel bessere Wirkung erzielen.